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Dienstag, 19. August 2008

Lichtwecker bzw. Sonnenaufgang-Wecker

Jeder kennt es: Piep, piep, piep... unbarmherzig schrillt das Gerät. Man fühlt sich, als würde man gefoltert werden und öffnet unter größten Anstrengungen die Augen gerade so weit, das man schemenhaft die Umgebung erkennt. Erfolgreich hat es der Wecker mal wieder geschafft, genau während einer Tiefschlafphase mit dem Klingeln zu beginnen. Man schaut sich um, wirft einen Blick aus dem Fenster heraus und stellt mit Verzweiflung fest, dass es draußen noch stockdunkel ist. Dann schlägt man wütend auf den noch immer stoisch klingelnden Wecker, trifft beim dritten Versuch den Aus-Knopf und nimmt sich fest vor, in spätestens einer Minute aufzustehen.
Nach 30 Minuten erwacht man dann, stellt panisch fest, dass man wieder eingeschlafen ist und muss anschließend alles im Eiltempo erledigen.

Wem solche Szenarien zu schaffen machen - vor allem im Winter, wenn es draußen besonders dunkel ist - der sollte sich einmal die Produktklasse der Lichtwecker genauer anschauen, denn diese könnten dann Gold wert sein. Sie versprechen Heilung von der altbekannten Krankheit des ewigen Verschlafens.

"Back to the roots!" dachten sich wohl die Erfinder dieser interessanten kleinen Geräte, denn sie sind so konstruiert, dass ein Mensch genauso aufwacht, wie er auch in der freien Natur aufwachen würde: Durch das Sonnenlicht und durch Naturgeräusche. Da die Sonne freilich nicht immer dann scheint, wenn man es gerne hätte, hat man in diese Wecker eine Lichtquelle eingebaut, die einen Sonnenaufgang simulieren soll. Das weckt einen Menschen nicht nur bewusst durch die Lichtstrahlen auf, die man durch die geschlossenen Augen wahrnehmen kann, sondern auch durch unbewusste Effekte im Körper. Das Gehirn merkt nämlich schnell, dass in der Umgebung die Dunkelheit ab- und die Helligkeit zunimmt. Daraus schließt es, dass nun der Tag anbricht und es damit für einen Menschen die optimale Uhrzeit ist, um aufzustehen. Entsprechend regelt das Gehirn den Hormonhaushalt des Körpers: Es stellt die Produktion von Melatonin ein, welches Schläfrigkeit erzeugt und bei jeder Schnarchnase wohl im Überfluss vorhanden ist. Gleichzeitig schüttet es Cortisol aus, welches ein wichtiger Signalgeber ist und dem Körper im übertragenen Sinn klar macht: "Zeit zum Aufstehen!".

Bevor man also überhaupt irgendetwas vom Sonnenschein wahrnimmt und bevor man aufwacht, stellt sich der Körper bereits darauf ein, dass sich der Schlaf für diese Nacht dem Ende entgegen neigt. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man noch in der Tiefschlafphase ist, wenn dann die Geräusche des Weckers einsetzen. Je nachdem wie fest der eigene Schlaf ist, wacht man teilweise - besonders angenehm - auf, bevor auch nur ein einziger Ton den Lautsprecher verlassen hat. Die ersten Geräusche setzen nämlich üblicherweise etwa 30 Minuten nach Beginn des künstlichen Sonnenaufgangs ein. So hat die Lampe genügend Zeit, langsam immer heller zu werden. Gut so, denn würde von der einen Sekunde auf die andere das Licht plötzlich mit voller Stärke leuchten, dann wäre das schließlich für die Augen und damit auch allgemein für das Aufwachen äußerst unangenehm.

Wacht man nun gewöhnlich nicht durch das Licht alleine auf, dann hat man die Möglichkeit, zusätzlich Geräusche einzustellen, die einen dann über den auditiven Sinn aufwecken. Bei einem guten Sonnenaufgangswecker sollte man die Möglichkeit haben, an dieser Stelle Wald- und Naturgeräusche auszuwählen. Zum Beispiel Vogelstimmen, Meeresrauschen oder das sanfte Quaken von Fröschen. Dies sind auch die Klänge, die das Gehirn am ehesten an einem Morgen erwarten würde (ganz sicher keinen Piepton!). Genau wie der Sonnenaufgang setzen diese Geräusche üblicherweise leise ein und werden dann lauter. So wird auch im Audio-Bereich sichergestellt, dass unangenehme Überraschungen, die einen sehr plötzlich aus dem Schlaf reißen, vermieden werden. Das Ziel lautet: Langsam und stetig - und damit möglichst entspannend - erwachen. Wem diese Geräusche nicht ausreichen, der hat gewöhnlich bei Lichtweckern die Möglichkeit, auf den bekannten Piepton oder auf das Radio auszuweichen.

Beispiele für Lichtwecker kann man zum Beispiel hier oder bei Amazon finden. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass die Geräte nicht ganz billig sind. Unter 80 Euro wird man kaum etwas finden. Auch sollte man auf gute Qualität achten, denn sonst bleibt vom Wellness-Effekt nicht viel erhalten. Dann geht die Lichtquelle schnell kaputt oder ist zu dunkel, oder die vermeintlich angenehmen Naturgeräusche mutieren durch knackende Lautsprecher zur Lärmbelästigung. Schaut man sich die verschiedenen Erfahrungsberichte im Internet an, so muss man auch feststellen, dass die Geräte nicht bei jedem funktionieren. Viele sind hoch erfreut oder haben zumindest eine positive Meinung und wachen angenehmer auf, andere aber können keine Änderungen verspüren. Letztlich aber wird man wohl bei allen Produkten immer einige finden, die enttäuscht sind. Wenn man also Probleme mit dem Aufwachen am Morgen hat und gerade wenn einem die Dunkelheit zur frühen Stunde zu schaffen macht, dann sollte man den Kauf eines solchen Gerätes erwägen. Das Risiko, dass solch ein Lichtwecker bei einem nicht funktioniert ist in den meisten Fällen deutlich niedriger als der mögliche Gewinn an Lebensqualität, wenn man durch solch ein Gerät angenehmer aus dem Bett kommt.

Zen-Wecker

Wer sich für ostasiatische Kulturen und für angenehmen Schlaf interessiert, für den könnte auch ein sogenannter Zen-Wecker interessant sein. Diese Art von Weckern ist eine recht kleine Nische in der es bisher noch nicht so viele Produkte gibt. Sie orientiert sich an der Zen-Lehre , welche man hierzulande am ehesten vom recht radikalen Ansatz her kennt, möglichst viel Elektronik und möglichst viele Kabel aus dem Schlafzimmer zu entfernen, um dadurch keinen Elektrosmog zu haben. Es ist eine Reduktion auf das Wesentliche; auf eine Umgebung, wie sie der Natur recht nahe kommt, denn elektronische Geräte sind ganz sicher nicht natürlich.
So versucht man, auch bei Zen Weckern einen ähnlichen Ansatz zu wählen. Dieser fällt aber wesentlich weniger extrem aus: Die Wecker haben in der Regel noch Elektronik eingebaut, zum Beispiel in Form einer Digitalanzeige. So eignen sie sich auch für Leute, die allgemein der Zen-Lehre nicht viel abgewinnen können und auch im Schlafzimmer nicht auf die Errungenschaften der Zivilisation verzichten wollen ;)

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Zen-Wecker und einem normalen Wecker liegt in der Art des Klingelgeräusches. Bei normalen Produkten ist dies häufig ein digitaler Ton, oder ein Radio. Zumeist ist das Geräusch unangenehm, auf jeden Fall aber hochgradig künstlich, da es über einen Lautsprecher erzeugt wird. Zen-Wecker versuchen, diese Schwachstellen zu verbessern. Sie sind darauf ausgelegt, ein möglichst angenehmes Aufwachen zu gewährleisten und sind bemüht, das Klingelgeräusch möglichst wenig künstlich zu erzeugen (ganz ohne Elektronik und Mechanik geht es leider nicht).
Dementsprechend wird der Weckruf nicht über einen Lautsprecher erzeugt, sondern stattdessen über eine Stimmgabel oder über eine Glocke, welche jeweils mechanisch (zum Beispiel mittels eines kleinen Hammers) angeschlagen werden und somit einen Ton erzeugen. Und jeder, der schon einmal den Klang eine Stimmgabel gehört hat, der weiß, dass diese wesentlich angenehmer als der normale, nervtötende Piepston eines Weckers klingt. Umso angenehmer ist auch das Aufwachen. Hier gilt aber auch: Aufpassen! Denn wer bei einem Zen-Wecker allzu knauserig einkauft, der bekommt nur minderwertige Qualität und hört am Morgen laut und deutlich die surrenden und quietschenden Motoren, die die Stimmgabel (eigentlich sanft) anschlagen sollen. Bei bei einem guten Produkt sollten derartige Unannehmlichkeiten aber nicht auftreten.

Um das Aufwecken zusätzlich angenehmer zu gestalten, schlagen Zen-Wecker nicht von Anfang an unbarmherzig im Sekundentakt auf die Stimmgabel. Stattdessen vergehen zwischen dem ersten und zweiten Schlag mehrere Minuten. Zwischen dem zweiten und dritten Schlag lässt sich der Wecker dann schon etwas weniger Zeit und so weiter - bis er schließlich nach etwa 10 Minuten den minimalen zeitlichen Abstand von knapp fünf Sekunden zwischen zwei Schlägen erreicht hat. Die Verringerung der Zeitabstände wird mathematisch über den sogenannten Goldenen Schnitt berechnet, der häufig in der Natur vorkommt.

Somit versucht man mit einem Zen-Wecker nicht nur über das Weckgeräusch ein möglichst angenehmes Aufwachen zu garantieren, sondern auch über das langsame Einsetzen des Klingelns. Freilich muss das aber nicht unbedingt jedermanns Sache sein, denn wer einen sehr seichten Schlaf hat, der wird vielleicht schon vom ersten Läuten direkt geweckt und wacht somit etwa 10 Minuten zu früh auf - und wer einen sehr festen Schlaf hat der überhört das angenehme Geräusch wahrscheinlich eher als den unangenehmen Digitalton.

Eine nicht so entspannende Erfahrung dürfte auch der Preis eines solchen Geräts sein, denn unter 100 Euro wird man nicht weit kommen. Etwa 130 Euro sollte man schon einkalkulieren. Dafür bekommt man aber auch ein Gerät, welches einem den Start in den Tag angenehmer gestaltet und in der Regel schick aussieht.